Leben in Shanghai – #2

Hello 2018

Silvesteressen mal anders – Fondue war gestern

 

Ich hoffe ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen. Für uns war es definitiv bisher der abgedrehteste Abend in Shanghai. Ich glaube allerdings auch, dass dieser Abend kaum noch zu toppen ist. Diesen Jahreswechsel werden wir so schnell nicht vergessen.

Am 30.12. sind wir zu einem kleinen Expat-Treffen in Puxi gegangen. Dort lernten wir drei Ingeneure und eine Chinesin, die ihr deutsch verbessern möchte, kennen. Wir alle hatten noch keine Pläne für Sylvester. Also tauschten wir unsere WeChat-Contacts aus und beschlossen den Jahreswechsel zusammen in einer Bar oder ähnlichem zu verbringen. Am nächsten Tag ging es hin und her, wohin wir gehen sollen. Letzt endlich beschlossen wir erst einmal irgendwo in der French Concession etwas essen zugehen und dann eine Bar zu suchen. Als Maria hörte, dass wir vorher etwas essen gehen wollten, fragte sie uns, ob wir Lust haben HotPot mit ihr und ihren Freunden essen zu gehen. Bevor Chris und ich zusagten, googelten wir noch schnell das Restaurant – Top bewertet – und sagten zu.

Zu diesem Zeitpunkt war mir eigentlich schon sehr genau klar, was uns blühen würde. Aber in dem Moment war es mir ehrlich gesagt egal. Sarah und Abenteuerlust? Passt irgendwie garnicht so recht zusammen. Gegen 18:00 Uhr machten wir uns auf in Richtung West Nanjing Lu. Nach einer kurzen Suche wurden wir in einer kleinen ziemlich düsteren und runtergekommenen Gasse fündig. Wohl gemerkt vor dem Restaurant parkte ein Maserati. Das Restaurant war gut besucht, wirkte auf soweit ganz gut und nicht runtergekommen.

Am Tisch erwarteten uns schon Marias Freunde. Sobald wir uns gesetzt hatten fragte mich Tighe, mein chinesischer Sitznachbar, erst einmal ob es okay ist, wenn der HotPot spicy ist. Puh – Spicy hat hier eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland. Das, was wir als spicy kennen, ist hier not spicy. In dem Moment dachte ich mir, was solls und wir bestellten den spicy HotPot mit Froschschenkeln. Froschschenkel hätte ich vielleicht noch gegessen, aber als der HotPot ankam, tummelten sich in gefühlt 1kg Chilies 4 ganze Frösche. Weiter ging es mit der Bestellung. Tighe übersetze uns die Karte auf englisch, da diese nur auf chinesisch war. Schwein, Rind, Spicy Rind, Krabbenfleisch, Surimi, Pilze, Fisch, Lotuswurzel, Süßkartoffel, Tofu – hörte sich eigentlich garnicht so schlecht an. Bis er zu den Spezialitäten kam – Pansen und er mich fragte “What you think about blood?” – worauf ich fragte “blood?” und er meinte “yes pork blood – it’s delicious”. In dem Moment dachte ich nur – das ist jetzt nicht sein ernst. Ich fragte auf Deutsch ganz nett, mit einem kleinen Schmunzeln, meinen Sitznachbarn. “Na Tim möchtest du Schweineblut für den HotPot haben?”. Zum Glück waren wir uns in diesem Punkt einig und lehnten dankend ab. Es wurden noch weitere Kreuze auf der Karte gemacht und dann der Kellnerin gegeben.

Das ist übrigens sehr typisch hier. Man bekommt eine Papierkarte und kreuzt darauf an, was man essen möchte und gibt diese dann der Bedienung. Finde ich seine super Idee. Nach relativ kurzer Zeit wurde ein Wagen mit 3 Etagen, der voller Teller war, an unseren Tisch geschoben. Das war der Moment, in dem ich nur dachte “Oh Shit” und “Wer soll das alles essen?”. Uuund dann ging es los – erst einmal ganz harmlos – mit Rinderspeck und Schweinespeck. Die Chinesen stehen darauf. Je fettiger, knochiger und knorbliger das Fleisch desto besser. Spannend ist, dass der Rinderspeck, extrem intensiv schmeckt. Da merkt man direkt einmal wieder, dass Fett ein guter Geschmacksträger ist. Der HotPot hatte es wirklich in sich. Das Fleisch war dermaßen scharf – holla die Waldfee. Dann wurde es etwas seltsam. Ein Teller mit “Fleischscheiben” auf denen in der Mitte ein rohes Eigelb lag. Das Ei wurde mit einer Gabel verrühert und dann einfach zusammen mit dem Fleisch in den HotPot gekippt. Ich hatte schon eine Vermutung, dass es sich um irgendeine Innerei handelte. Diese Vermutung wurde auch durch die Chinesen am Tisch bestätigt – Kidney – Niere. Na gut gibt Schlimmeres.

“Froglegs”

Danach wurde zweierlei Pansen in den Topf gekippt (weißer und grau/brauner). Zum Glück hatten die Jungs keine so großen Probleme, den Pansen zu essen. So wurde unser HotPot doch recht gut leer. Richtig lustig wurde es beim spicy Beef. Stellt euch ein Minuten-Steak vor, dass einmal in Chiliflocken paniert wurde. Das Fleisch war sooo lecker, aber leider so scharf, dass ich kaum mehr als 3 Bissen herunter bekommen habe und ich würde meinen, dass ich Schärfe wirklich gut abkann. Aber das war dann doch etwas zu viel des Guten.

Pansen

Nach diversen “normaleren Dingen” kam mein persönliches Highlight. Ein Teller mit einer rosa farbenen Masse. In diesem Moment hab ich mich nur noch kaputt gelacht. OMG. In diesem Moment begriff von den Expats keiner so recht, was da auf dem Teller lag. Mir war es aber sofort klar. Ein kleines, niedliches, rosa farbenes Hirn. Ich tippe mal auf ein Schweinehirn. Das wurde denn ordentlich in eine Kelle gelegt und zog schön im HotPot durch. Gekocht sah es ehrlich gesagt, sogar ganz appetitlich aus. Das Witzige an der ganzen Sache ist, dass die Chinesen am Tisch das Hirn nicht angerühert haben, weil es ihnen zu gruselig sei. Ich bin mir sehr sicher, dass das Hirn eine Art Test bzw. Spaß war, um zu sehen, wer es isst und wie wir reagieren. Respekt an die Jungs, die knallhart alles gegessen haben. Ich bin ehrlich wären die Stücke der Niere und vom Pansen nicht so gigantisch riesig gewesen, hätte ich es zumindest mal probiert. Aber ich wollte nicht, dass sich auf meinem Teller Reste stappeln und da ich nicht neben Christian saß, blieb mir nur die Möglichkeit ganz oder garnicht. Dieses Essen wird mir mein Leben lang in Erinnerung bleiben. Ich könnte noch viel viel mehr dazu schreiben, das Thema Essen und Tischmanieren bietet so viel Skuriles, weshalb ich bei Gelegenheit noch einen extra Post dazu schreiben werde.

Hirn

Ein weiteres Highlight war die zum Restaurant dazugehörige Toilette. Es ist häufiger so, dass Restaurants keine Toiletten haben oder sie außerhalb sind. In Malls z.B. wird man immer auf die öffentlichen Toiletten in der Mall geschickt. Gibt es eine Toilette im Restaurant oder direkt davor, sind dies meist Unisextoiletten (ähnlich wie in New York). Bei unserem Restaurant musste man vor die Tür gehen und dann “den Tunnel des Grauens” durchqueren. Tunnel des Grauens deshalb, über all an der Wand waren braune Schmierspuren und Handabdrücke. Mehr sag ich dazu jetzt mal nicht. Thomas war so nett die Tür mit dem kleinen Finger zu öffnen und sie offen stehen zu lassen für uns.

 

Nachdem ich den Tunnel des Grauens durchquert hatte, quetschte ich mich durch den Türspalt und betrat die Toilette. Ich würde mal sagen, sie war arg dreckig wie bei uns ein Bahnhofsklo. Aber zum Glück groß genug, dass die Chance irgendetwas zu berühren minimal war. Die Tür habe ich offen stehen lassen – mir war es wichtiger so wenig wie möglich zu berühren. Mein Schamgefühl war mir in dem Moment völlig egal. Im Boden war eine Schüssel eingelassen, es hat gestunken und war dreckig. Aber es war okay. Da fand ich den Tunnel des Grauens deutlich schlimmer. Ein guter Tipp – immer Desinfektionsmittel dabei haben. Mittlerweile habe ich es mir knallhart angewöhnt, in jeder Tasche Desinfektionsmittel zu haben. Denn auch in guten Restaurants kann es sehr gut sein, dass die Klobrille vergek***t ist und es ist doch recht häufig der Fall, dass es auf den Toiletten keine Seife gibt.

Nach diesem Abenteuer verlief unser restlicher Abend relativ ruhig. Wir kehrten noch in 2 Bars ein und rutschten relativ unspektakulär ins neue Jahr. Sylvester 2017/2018 werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen, genauso wie den Spaß, den wir alle hatten.

 

 

Bis dahin

Sarah

 

PS: Die Fotos sind von der Qualität leider nicht so gut. Wir haben alle nur Fotos mit dem Handy gemacht und auch nicht allzu viele. Sorry.

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