Harbin

Wer mir auf Instagram folgt, hat mitbekommen, dass wir Mitte Januar ein Wochenende nach Harbin geflogen sind. Im Winter findet dort jedes Jahr das Ice-Festival statt. Bei -35 Grad bauen dort 10.000 Arbeiter, in kurzer Zeit, eine gigantische Eisstadt. So richtig sicher waren wir uns bis kurz vor dem Abflug nicht, ob wir in die Kälte fliegen wollten. Temperaturen um die -25 Grad waren nicht wirklich verlockend. Harbin  (Hauptstadt der Provinz Heilongjiang) ist mit ca. 10. Millionen Einwohner eher eine kleine Stadt und wer in China lebt, kann sich vorstellen, dass dort außerhalb des Ice-Festivals tote Hose herrscht bzw. der Hund begraben liegt. Mittlerweile sind wir in China ein bisschen herum gekommen und mein Eindruck ist, dass die Städte sich doch ähneln. Mittelgroße Städte wie Harbin, fühlen sich immer sehr ländlich an. Zum Ice-Festival platzt Harbin allerdings wegen der vielen Touristen aus allen Nähten. Vor allem an den Touristen-Hotspots ist dies zu spüren. Davon gibt es, meiner Meinung nach, nicht allzu viele.

Harbin hat Sightseeing-technisch meiner Meinung nach nicht allzu viel zu bieten. Die Harbiner, die extrem stolz auf ihre Stadt sind, würden etwas komplett anderes sagen. In der Winterzeit gibt es neben dem Ice-Festival noch ein Snow-Festival, den Tigerpark und die Innenstadt um die Central-Street.

 

Innenstadt

Die Innenstadt von Harbin ist sehr gemütlich. Kleine Läden, aus denen russischer Techno dröhnt, laden zum Shopping ein. Ganz besonders Mutige, können sich an einem der vielen Stände glasiertes Obst am Stiel kaufen. Bei ca. -25 Grad ist das Obst so eine Art Eisobst am Stiel. Die Gegend um die Central Street ist wirklich schön. Überall kann man den russischen Einfluss sehen. Am Ende der Central Street erreicht man die Sophia Kirche, die mit ihren Zwiebeltürmchen ganz bezaubernd aussieht.

 

Ice-Festival

Das absoulute Hightlight ist in der Winterzeit natürlich das Ice-Festival. Es ist kaum in Worte zu fassen, was dort auf die Beine gestellt wurde. Man kommt sich wie in einer komplett anderen Welt vor. Ich lasse einfach einmal ein paar Bilder für sich sprechen.

 

Tigerpark & Schneeskulpturen

Beides hätte ich nicht gebraucht. Die Schneeskulpturen waren nett, aber ich hätte sie eben nicht gebraucht. Ähnlich ging es mir bei dem Tigerpark. Dieser wirkt auf uns Europäer doch recht befremdlich hunderte Tiger leben dort in riesigen Familien. Für ca. 10 Euro konnte man lebende Hühner durch Klappen ins Gehege werfen und die Tiger füttern. Für ca. 1000 Euro hätte man eine ganze Kuh kaufen können. Die komplette Anlage wirkte schon etwas merkwürdig. Sie hätte definitiv auch als Set für The Walking Dead dienen können. Überraschend fand ich, dass WWF extrem viele Spendengelder Harbin für seine Tiger zukommen lässt. Ob man den Park gut oder schlecht findet und unbedingt sehen muss, sei jedem selbst überlassen.  Ich fand ihn Okay, hätte ihn aber nicht unbedingt besuchen müssen.

 

 


 

Da ich immer wieder gefragt wurde, wie wir die Kälte durchgestanden haben, kommen hier meine ‘ultimativen’ Tipps. Allerdings möchte ich anmerken, dass es bei uns nicht soooo kalt war – tagsüber -15 und nachts ca. -25 Grad.

 

  • Thema Kleidung – der Zwiebellook machts. Christian und ich waren vor dem Trip noch bei Decathlon shoppen. Dort haben wir uns Skihosen, Schuhe (bis -15 Grad) und Jacken gekauft. Die Jacken für ca. 80 Euro, die bis zu -30 Grad geeignet sind, waren ihr Geld wert. Thermounterwäsche hatten wir noch vom letzten Jahr (Olympische Winterspiele) von Uniqlo. Ich habe unter meiner Skihose “nur” eine Thermounterhose angehabt, obenherum ein Thermoshirt und eine Fleecejacke, ein paar normale Socken und darüber ein Paar Merino-Skisocken und eine Mütze. Tagsüber war ich so perfekt angezogen, egal ob mit Uggs oder meinen Schuhen von Decathlon. Abends habe ich dann doch noch etwas aufgerüstet und eine gefütterte Jogginghose unter die Skihose angezogen.

 

  • Wärmepads – eine gute Investition sind definitiv Wärmepads in allen Variationen. Es gibt sie als Pflaster, als Sohle für die Schuhe etc. Ich persönlich stehe auf die Sohlen nicht so sehr, da sie irgendwann extrem hart und unbequem werden. Bei mir ging es auch ohne ganz gut. Ich fand die Wärmesäckchen super, die man in die Handschuhe tun kann. Christian hat sich aufs Thermoshirt diverse Pflaster geklebt. Welche Variante für einen selbst die Beste ist, muss jeder für sich herausfinden.

 

  • Das Akkuproblem – bei der Kälte entladen sich die Akkus extrem schnell, deshalb empfiehlt es sich, für die Handys diverse Powerbanks einzupacken und für die Kameras Ersatzakkus zu haben. Diese am besten in der Jacke tragen.

 

  • IPhone – Wer ein IPhone hat, hat so richtig die A-Karte gezogen. Kein einziger Einheimischer besitzt ein IPhone. Dies hat auch seinen Grund. Bei sehr niedrigen Temperaturen spinnen diese ohne Ende und gehen zum Teil auch komplett aus. Ich hatte Glück mein IPhoneX hat hervorragend durchgehalten. Allerdings habe ich bei anderen mitbekommen, dass ich damit eine Ausnahme war. Meistens geht der Akku von 80% auf 0% und das Handy einfach aus. Sobald es wieder etwa wärmer wird, kann man es anschalten und hat wieder 80% Akku.

 

  • Gesichtspflege – Ein Thema über das ich mir bis kurz vor dem Abflug überhaupt keine Gedanken gemacht habe. Auf Cremes die viel Wasser enthalten, solltet ihr in der Zeit verzichten. Da diese bei der extremen Kälte zu Erfrierungen z.B. im Gesicht führen können.

 

  • Trockene Luft – Die Luft ist extrem trocken. Das macht sich auch bemerkbar. Ich hatte ordentlich trockene Lippen. Zum Glück hatte ich Vasiline mit. Im Hotel habe ich abends den Wasserkocher (Deckel offen) 1-2h angeschmissen und nasse Handtücher auf die Stühle gelegt.

 

  • Essen, essen, essen und trinken– In der Kälte verbraucht der Körper viel mehr Kalorien, deshalb ist es wichtig genug zu essen. Durch die trockene Luft verliert der Körper extrem viel Wasser, deshalb auch ordentlich trinken. Ich habe es extrem gemerkt, wie der mein Körper mit dem Klima zu kämpfen hatte. Ich hatte gefühlt Dauerhunger und Durst.

 

  • Mehr fällt mir gerade nicht ein – wenn ihr noch Fragen habt, schreibt mir ruhig eine Email oder einen Kommentar.

 

Mein Fazit: Harbin ist für ein Wochenende oder 2 Tage ganz nett, aber viel mehr Zeit braucht man dort wirklich nicht. Das Ice-Festival ist wirklich atemberaubend und sollte man gesehen haben. Die DongBei-Küche sollte man auf jeden Fall probieren – riesige Portionen und deftiges, sehr leckeres Essen.

 

Bis dahin

eure Sarah

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