Leben in Shanghai #10 – Einkaufen

Wer in Shanghai lebt, bekommt ein riesiges Angebot an Lebensmitteln, Restaurants und kleinen Garküchen in jeglicher Preisklasse geboten. So stellt sich für uns zwei relativ schnell die Frage, lohnt es sich selbst zu kochen? Diese Frage lässt sich mit einem Jein beantworten. Generell sind Lebensmittel hier bis auf Reis, einheimisches Obst und Gemüse, im Vergleich mit Deutschland, teurer. Bei uns um die Ecke gibt es einen Baozi-Stand, der 3RMB (39 Cent) pro Stück verlangt. Von zwei Stück bin ich pappsatt. Rechnet man diesen Preis auf 2 Personen hoch, ist ganz klar, für ca. 2€ bekomme ich kein üppiges Mahl hier gezaubert. Warum dann noch selbst kochen? Ganz klar aus zwei Gründen. Zum einem kann ich nach den vielen Wochen nicht jeden Tag mehr chinesisch Essen, zum anderen ist es schön zusammen zu kochen und gemütlich zu Hause zu essen. Hin und wieder möchte ich mein Essen in Ruhe, ohne Schmatz- und Schlürfgeräuche, genießen.

 

Import-Supermarkt – Lokal Supermarkt – CarreFour – Metro

Es gibt viele Möglichkeiten einzukaufen. Mittlerweile haben wir fast alle “offline” Supermärkte, bis auf den lokalen Wetmarkt (dafür muss unser chinesisch erst einmal etwas besser werden), ausprobiert. Offline? Ihr lest richtig. Fast jeder große Supermarkt hat eine App oder eine andere Online-Vertriebsform. Die meisten Expats und auch Einheimischen kaufen ihre Lebensmittel online. Was in Deutschland schwer vorstellbar ist, ist hier ganz normal. Das liegt vorallem daran, dass gerade im Zentrum große Supermärkte eher selten vorhanden sind und die Lieferung der Lebensmittel kostenlos und sehr schnell (innerhalb weniger Stunden) erfolgt. Bisher haben wir noch nicht online bestellt, da wir bei den ganzen chinesischen Apps noch nicht ganz durchsteigen. Aber ich bin mir jetzt schon sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis wir auch nicht mehr einkaufen gehen werden. Wasser kaufen wir mittlerweile garnicht mehr ein, sondern lassen es liefern. Wir haben in unserem Apartment einen Wasserspender, in den ca. 20L “Fässer” reinkommen. Über WeChat teilen wir unserem Waterboy (auf Chinesisch) mit, wie viele Fässer wir wollen. Innerhalb weniger Stunden stehen diese dann vor unserer Tür. Wenn wir nicht zu Hause sind, wird ein Foto gemacht, wie die Fässer vor der Tür stehen. Die Bezahlung erfolgt ebenfalls über WeChat. Für ca. 20L Wasser zahlen wir mit Lieferung 22 RMB (2,80€). Bei dem Preis lohnt sich die Schlepperei nicht mehr.

 

Import-Supermarkt

Bei uns direkt in der Mall um die Ecke, befindet sich ein City-Supper, der hauptsächlich Importware aus Taiwan, Japan und Korea verkauft. Ein paar europäische Produkte lassen sich auch finden. Das hat allerdings seinen Preis. Mittlerweile gehen wir dort nur noch einkaufen, wenn wir wirklich Etwas ganz dringend brauchen oder Kleinigkeiten wie Eier. Für ein paar wenige Lebensmittel ist man sonst relativ schnell 60-80€ los.

 

Lokal Supermarkt

An jeder Ecke, in Kioskgröße, gibt es kleine Supermärkte (Family Mart, Seven Eleven etc.). Dort bekommt man ein paar Dinge für den täglichen Bedarf wie z.B. Milch, Instantnudelsuppen (überlebenswichtig für die Chinesen), Getränke, Schokoriegel etc. Diese Supermärkte lassen sich wohl am ehesten mit einem Rewe-To-Go vergleichen. Im Familymart kann man nicht nur einkaufen, sondern auch seine Strom-, Gas- und Wasserrechnung bezahlen.

Neben den kleinen lokalen Supermärkten, gibt es auch Größere. Als wir noch in Lujiazui gewohnt haben, waren wir immer im Lotus einkaufen. Dieser Zeit trauer ich ein bisschen hinterher. Auch wenn der Lotus immer etwas schmuddelig aussah, waren die Preise sehr gut und man konnte neben einheimischen Produkten auch Importware, deutlich günstiger als im City-Supper, kaufen. Vor allem Obst und Gemüse waren dort frisch und sehr gut. Das fehlt uns jetzt in der French-Concession ein bisschen. Ich hoffe, dass mein chinesisch bald gut genug für den WetMarket ist, denn Obst und Gemüse finde ich bei uns im City-Supper nicht so toll.

 

CarreFour

Die franzöische Kette CarreFour ist in Shanghai mit mehreren Filialen vertreten und wurde uns während des Look-And-See-Trips von unserem Markler empfohlen. Sagen wir es einmal so: Einkaufen ist dort extrem anstrengend. Während man durch die Gänge schlendert, läuft auf Fernsehern lautstark Werbung – genauer gesagt zwei Werbungen (abwechselnd). Eine Eigenart der Chinesen ist es, kurze Sätze extrem oft zu wiederholen. Dem nach kann man schon nach 5 Minuten beide Werbungen mitsprechen bzw. mitbrüllen. Etwas weiter stehen mehrere Verkaufsdamen und Herren, die ein Megafon oder ein Mikro mit Lautsprecher in der Hand halten und ebenfalls Werbung für Batterien etc. lautstark machen. Da der Lärmpegel aber noch nicht hoch genug ist, wird man noch von allen Seiten mit lustiger, chinesischer Musik beschallt. Sieht man von dem Lärm ab, bekommt man im CarreFour eigentlich alles, was man braucht. Neben Lebensmitteln gibt es auch viele Haushaltswaren, Koffer, Spielzeug etc. (vergleichbar mit Real in Deutschland). Mein Highlight sind die Toilettenauflagen, damit der Hintern im Winter nicht kalt wird. Am Anfang habe ich noch darüber gelacht. Allerdings sind wir südlich des Yangtzes, was bedeutet, dass wir uns in Südchina befinden und damit sehr viele öffentliche Gebäude (früher alle) und alte Häuser keine Heizung haben. Im Winter wird es hier schon auch kalt. Bei Temperaturen von 0-5 Grad auf dem Klo, ist so ein Toilettenwärmer keine verkehrte Sache. Neben einheimischen Lebensmitteln und einer riesigen Fischtheke, gibt es sehr viele europäische Produkte. Allerdings gehe ich ungern im CarreFour einkaufen, da es mir einfach zu laut und zu anstrengend ist.


Metro

Gestern waren wir das erste Mal in der Metro einkaufen. Einige Expats und Chris’ chinesische Kollegen hatten diese uns empfohlen, da es dort angeblich alles gibt und die Auswahl an europäischen Produkten größer ist. Die Metro ist etwas außerhalb und so brauchten wir mit der Metro ca. 45 Minuten dort hin. Als wir ankamen, waren wir extrem überrascht, wie leer es dort war. Wir waren mehr oder weniger die Einzigen – und das Samstags – in Deutschland kaum vorstellbar. Scheinbar bestellt man auch hier eher alles online, statt selbst einzukaufen. Vom Sortiment her hatte ich mir deutlich mehr erhofft. Es gibt viele Importprodukte, allerdings führt CarreFour diesbezüglich ein sehr ähnliches Sortiment. Ansonsten ist das Sortiment sehr asiatisch geprägt (z.B. Schwalbennester in Zuckersirup und großes Sortiment an Trockenfisch etc.). Die Preise sind in Ordnung und es gibt in meinen Augen nur 3 Dinge, für die es sich lohnt in die Metro zu fahren. Wer gerne backt, bekommt dort zumindest Weizenmehl und alle anderen möglichen Backzutaten ohne Probleme. Die Frischabteilung ist sehr vielfältig – Gemüse und Obst in allen Variationen für sehr niedrige Preise. Die Auswahl war riesig. Am beeindruckensten fand ich die Riesenzucchini, die bestimmt einen knappen Meter lang war und man in Scheiben kaufen konnte. In China haben einige Dinge andere Größenverhältnisse. Der 3 und in meinen Augen wirklich wichtigste und entscheidenste Punkt ist, dass es in der Metro Deo gibt. Ja ihr lest richtig. In früheren Beiträgen habe ich es schon geschrieben. Deo ist hier Mangelware. Selbst in Drogerien wird man selten fündig und wenn man Glück hat, hat man die Auswahl zwischen einem Herrendeo und einem Damendeo. In der Metro ist die Auswahl zwar überschaubar, aber deutlich größer. Ansonsten lohnt sich für uns die weite Fahrt dort hin nicht wirklich. Ich würde dann doch eher den Online-Lieferdienst nutzen, als die lange Fahrzeit in Kauf zunehmen.

 

Habt noch einen schönen Sonntag.

 

Bis dahin

eure Sarah

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