Leben in Shanghai – #3 – Klima & Luftqualität

Der ein oder andere hat es diese Woche auf Instagram mitbekommen – ein Thema, das diese Woche für mich sehr präsent und extrem anstrengend war, ist das Klima und die Luftqualität. Ich kann es nicht anders sagen. Aber die Woche hatte es in sich.

Temperaturschwankungen vom Feinsten

Letztes Wochenende bibberte Shanghai bei Temperaturen knapp unter 0°C. Als ich am Montag aufwachte, freute ich mich über den strahlend blauen Himmel. Ein Blick auf mein Handy verriet mir, dass aktuell um 9:30 schon 15°C waren und in den nächsten Stunden 20°C erwartet wurden – und das Mitte Januar. Dienstag hingegen waren es dann schon wieder nur noch 6°C. Für mich eine wahre Herausforderung. Denn mein Kreislauf kam mit diesem ständigen Wetterwechsel nicht ganz so gut klar. Kopfschmerzen machten sich breit und mein Kreislauf spinnte auch herum. Im Laufe der Woche pendelte sich die Temperatur irgendwo zwischen 8-10°C ein. Allerdings ist ab Mittwoch wieder mit einem Temperatursturz zurechnen. Die Wettervorhersage kündigt sogar Schnee an. Mal sehen, ob es hier wirklich schneit. Ich wurde diese Woche häufiger gefragt, woher diese extremen Temperaturschwankungen kommen.

Dafür muss man sich ein paar Dinge klar machen. China ist ein riesiges Land, in dem gefühlt alle Klimazonen vorkommen. Im Nordosten von China liegt Harbin dort sind es aktuell ca. -25°C, in Peking ca. -10°C sind es. Kommt nun der Wind aus Norden zieht die Kälte in Shanghai ein. Dadurch wird das Klima im Winter hauptsächlich vom Nordwind bestimmt. Kommt der Wind aus einer anderen Richtung, wird es eben auch mal 20°C warm. Dadurch, dass die Temperatur vom Wind abhängig ist, ist sie genauso wechselhaft wie das Element selbst. Für wetterfühlige Menschen, kann dies zur Herausforderung werden.

 

Luftqualität

Neben den Temperaturschwankungen hatte es die Luftqualität ebenfalls in sich. Seit Montag Nachmittag Wo genau die Gründe liegen, scheint relativ komplex zu sein. Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass es wohl einen Zusammenhang zwischen der Nutzung der Kraft- und Produktionswerken und dem schlechten Luftindex gibt.


Luftindex US AQI – was hat es damit auf sich?

AQI steht für Air Quality Index und gibt eine Auskunft darüber, wie gut die Luftqualität ist. Das US vor AQI bezieht sich auf die Berechnungsmethode bzw. den Algorhytmus zur Berechnung des Index. Wie der Algorhytmus sich zusammensetzt, kann man sehr gut auf Wikipedia (hier) nachlesen. In einer Stadt wie Shanghai, in der sich die Luftqualität innerhalb weniger Stunden von “gut” zu “schlecht” verändern kann, bin ich auf ein paar Tools angewiesen. Für mich unabdingbar ist die AirVisual App. Diese zeigt mir, wie aktuell die Luftqualität und die Wetterlage ist. Des Weiteren prognostiziert sie die diese. Allerdings sind die Prognosen relativ unbeständig, da der Wind und das Wetter ebenfalls einen Einfluss auf die Luftqualität haben. Ich habe euch einmal ein paar Screenshots von der App gemacht. An sich ist diese selbsterklärend.


Es gibt 6 Kategorien. Während wir in Deutschland nahezu immer im grünen Bereich sind (0-50). In Großstädten wie  z.B. Hamburg oder Stuttgart gibt es hin und wieder  Tage um die 60-80. Allerdings sieht das in Shanghai gerade etwas anders aus. Aktuell bin ich froh, wenn wir Werte um die 100-120 haben. Denn dann muss ich keinen Atemschutz tragen. Ich gehöre definitiv zu der sensitive Group. Ab Werten von 120-140 (je nach Tagesform) reagiert mein Körper auf die schlechte Luft mit Kreislaufbeschwerden, Hals- und Kopfschmerzen, starker Erschöpfung und Kurzatmigkeit. Fazit – es kommt gefühlt einfach nicht genug Sauerstoff mehr an. Während manch einer noch bei werten um die 200-300 lustig munter herumhüpft, denkt meine Lunge sich – “nööö heute nicht”. Den Fehler ohne Atemschutz herauszugehen bei hohen Indexwerten, habe ich zwei Mal gemacht und bitter bereut. Danach habe ich mich gefühlt als hätte ich eine schwere Erkältung inklusive Schüttelfrost. Seitdem ist mein zweites Tool, das ich immer bei mir trage meine Atemschutzmaske. Denn wie gesagt, die Luftqualität kann hier innerhalb weniger Stunden komplett kippen. Sobald die Werte über 130-140 gehen, ziehe ich meine Maske an. Es ist nervig, aber für mich mittlerweile unabdingbar, nachdem es mir zweimal richtig schlecht ging. Sobald wir Werte über 200 haben, also im Lila-Bereich sind gehe ich nicht mehr aus dem Apartment und beschränke meine Aktivitäten, auch nicht mit Atemschutzmaske, die dies definitiv abkann.


Diese Woche war wirklich anstrengend. Dank der super Luft, war ich Dienstag bis Freitag komplett in unserem Apartment und habe mir die Zeit mit Lesen und Sport vertrieben. Obwohl ich sagen muss, Dank des tollen Ausblicks, den wir hier haben, war es halb so schlimm. Nichtsdestotrotz war ich glücklich als die Luft endlich besser war (ca. 170-180) und ich mit Atemschutz, Chris und Tim Qibao unsicher machen konnte. Daran merkt man deutlich, welchen Luxus wir in Deutschland haben. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich mich so langsam daran gewöhne und es sich nicht mehr als gigantische Einschränkung anfühlt. Jede Medallie hat zwei Seiten.

Neben der App und meiner Atemschutzmaske gibt es noch zwei weitere Tools, die für uns unabdingbar geworden sind – der AirBlue Filter und das Laser-Egg II – ein Luftreinigungsfilter für Zimmer und ein Messgerät (bzw. eine kleine Messstation) für den AQI. Braucht man das? Jap – ich bin definitiv der Meinung, dass man Beides braucht, wenn man länger hier lebt. Man kann die Fenster nicht mit den Fenster in Deutschland vergleichen. Die Fenster hier, sind Glasscheiben, die einfach mit Silikon eingesetzt werden, und dem nach mehr oder weniger dicht. “Gelüftet” wird über die zentrale Heiz/Klimaanlage, die wohl auch einen Luftfilter haben soll. Am Anfang hatten wir nur das Laser-Egg und noch keinen Blue-Air-Filter. Schnell zeigte sich, dass der Luftfilter unserer Heiz/Klimaanlage nicht allzu gut sein konnte, denn wir hatten Werte um die 90-120 in unserem Zimmer. Also kauften wir uns zügig einen BlueAir-Filter. Dieser funktioniert hervorragend – innerhalb von 2h hatten wir Werte von 30-40 in unserem kleinen ca. 20m² Apartment. In unser neuen Wohnung werden wir uns dann noch einen weiteren Filter bzw. ein weiteres Filtersystem anschaffen. Günstig ist die Anschaffnung mit ca. 300€ (für das Einsteigermodell – nach oben hin ist da definitiv alles offen) nicht und nach 6 Monaten, müssen wir bei unserem Modell für 50€ den Filter wechseln.

Das hört sich jetzt alles sehr krass und extrem an. Allerdings muss man sich auch vor Augen halten, dass dies gerade, was den Smog angeht, die schlimmste Jahreszeit ist. Was in den USA die Hurrican-Saison ist, ist hier eben die Smog-Saison. Mit ein paar Tools und hin und wieder kleinen Einschränkungen, lässt sich das sehr gut verkraften. In den nächsten Wochen sollte sich die Lage beruhigt haben. Die Regierung gibt ihr Bestes und hat große Verschmutzer (z.B. Produktionsfirmen) geschlossen bis die Luft wieder besser ist.

 

 

Bis dahin

eure Sarah

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