Leben in Shanghai #6 – Metro

Einen guten Monat sind wir nun schon in Shanghai und haben Einiges erlebt. Wenn ich die Zeit hier Revue passieren lasse, bereue ich unseren Entschluss nicht. Zu den Dingen, die ich hier sehr zu schätzen gelernt habe, zählt definitiv die Metro. Da wir keinen Fahrer haben, sind wir beide auf die Metro angewiesen. Am Anfang hatte ich etwas Bammel – Völlig zu unrecht.

Viele Menschen? Kein Platz?

Wenn man an die Metro in Shanghai denkt, hat man direkt ein bestimmtes Bild vor Augen: extrem viele Menschen, die schubsen, drängeln, sich ihren Platz erkämpfen, dreckig und eben sehr eng. Das stimmt nicht so ganz und man muss ein paar Dinge unterscheiden. Wie voll die Metro ist hängt zum einem von der Uhrzeit ab und zum anderen von der Linie. Das ist bei uns in Deutschland auch nicht anders. Autofahren bzw. ein Auto zu besitzen, ist hier ein Luxusgut, das sich nicht jeder leisten kann. Auch, wenn Taxifahren sehr günstig ist, ist dies preislich und auf Grund der Verkehrslage, vor allem in der Rush-Hour, keine Alternative zur Metro. Eine Strecke in der Innenstadt kostet 3 RMB also ca. 40 Cent. Bevor man zum Gleis kommt, muss man, ähnlich wie am Flughafen, durch einen Sicherheitscheck. Dort werden große Handtaschen, Rücksäcke etc. durchgeleuchtet. Wo nach in den Taschen gesucht wird ist mir ehrlich gesagt relativ schleierhaft. Wir haben mittlerweile auch herausgefunden, dass man seine Tasche nicht durchleuchten lassen muss, wenn man sie vor dem Sicherheitspersonal einfach schüttelt und diese dabei relativ leer aussieht. Nach der Sicherheitskontrolle kommt die Fahrscheinkontrolle, die hier ähnlich wie in anderen Großstädten (London, New York) abläuft. Die Karte wird gescannt und man geht durch ein Drehkreuz.

Wer nicht drängelt, verliert!

Am Gleis angekommen, heißt es erst einmal anstehen. Das Gleis ist komplett abgesperrt und mit mechanischen Türen versehen, die erst aufgehen wenn die Metro ihre Türen öffnet. Für weitere Sicherheit sorgen mehrere Wachleute, die alles sehr genau im Auge haben und je nach dem die Leute mit einer Pfeife zur Ordnung pfeifen. Links und Rechts steht man an, in der Mitte lässt man Platz, damit die Leute aus der Metro herauskönnen. Sobald die Metro ihre Türen öffnet, heißt es drängeln ohne Ende. Wer höflich ist, verliert definitiv und wird es, je nach dem wie voll es ist, nicht in die Metro schaffen. Gerade zur Rush-Hour darf man keine Hemmungen haben. Das Gleiche gilt auch beim Aussteigen. Ohne die Ellebogen auszufahren und zu drängeln, hat man in der vollen Metro keine Chance diese zu verlassen. Es nimmt einem auch niemand übel, wenn man ein bisschen schubst – machen sowieso alle. Am Anfang war dies sehr gewöhnungsbedürftig. Mittlerweile habe ich da keine Hemmnungen mehr und mache es genauso wie alle Chinesen. Morgens 8:00 – 9:00 und 17:00 – 18:00 Uhr sollte man vor allem die Stationen People’s Square und Lujiazui meiden. Denn dort steppt zu dieser Zeit so richtig der Bär.

Auch wenn die Metro öfter überfüllt ist, ist sie für mich unverzichtbar. Das liegt vor allem daran, dass das Netz extrem gut ausgebaut ist und die Taktung in der City unschlagbar ist. Meistens fährt alle 2-5 Minuten eine Metro. Lange Wartezeiten hatte ich bisher nie. Allerdings gibt es keine Taktung für die Nacht. Ab (je nach Linie) 22 bzw. 23 Uhr ist hier Ende im Gelände. Die ersten Metros fahren dann auch erst gegen 6 Uhr wieder.

Fazit

Deutschland kann sich von Shanghai, was das Metrosystem angeht, definitiv eine Scheibe abschneiden. Ich habe selten eine Ubahnvernetzung in einer Großstadt gesehen, die so effizient, günstig und sicher ist. Selbst zur Rush-Hour, wo es schon mal an den großen Knotenpunkten eng wird, läuft alles sehr strukturiert ab. Ich habe mich bisher dies bezüglich kein einziges Mal unsicher gefühlt oder gar Angst gehabt. Wer sich sehr günstig von A nach B bewegen möchte, braucht vielleicht ein bisschen Geduld, kommt aber ohne große Probleme an seinem Ziel an. Wie auch in anderen Großstädten, gibt es diverse Metro-Apps. Ich benutze SH Metro. Chris schwört auf die die chinesische ShanghaiMetro App, die komplett auf chinesisch ist. Mir ist das etwas zu anstrengend. Allerdings wächst die Stadt und auch die Metro Linien so schnell, dass die SH Metro-App nicht 100%ig aktuell ist genauso wie Google ;). Bisher hat bei mir SH Metro immer gereicht und ich bin an mein Ziel gekommen. Ich hoffe dennoch auf ein Update.

Bis dahin

eure Sarah

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