Leben in Shanghai #7

Während bei euch die fünfte Jahreszeit ist, nähern wir uns mit großen Schritten Chinese New Year.  Für die Chinesen ist dies das wichtigste Fest überhaupt, weshalb auch ein riesiger Aufwand betrieben wird. Seit Anfang des Jahres bereitet sich die Stadt darauf vor. Über all sah man die Chinesen Fleisch (unter anderem ganze Enten) und Fisch (komplette Fische) trocknen. Da ich mich noch nicht soooooo gut mit allen Bräuchen auskenne, möchte ich auch garnicht so intensiv darauf eingehen. Fakt ist, Chinese New Year hat hier einen höhren Stellenwert als bei uns Weihnachten. Ähnlich wie bei uns an Weihnachten gibt es gesetzliche Feiertage – 3 Stück – an denen man zu seiner Familie reist. Da die Chinesen sehr wenig Urlaub haben, arbeiten sie Tage vor bzw. nach, damit sie insgesamt eine ganze Woche frei haben. Bei Chris ist z.B. heute Arbeitssonntag und dann nach Chinese New Year noch einmal ein Arbeitssamstag. Viele nutzen die freie Woche nicht nur um zu ihren Familen zu reisen, sondern auch in den Urlaub zu fahren. Allerdings haben die Preise es in dieser Zeit in sich. Das ist vergleichbar mit den Sommerferien in Deutschland nur, dass eben 1.3 Milliarden Menschen frei haben.

Wir haben lange überlegt, ob wir auch wegfahren und haben sehr lange nach relativ günstigen Flügen etc. gesucht, sind aber immer wieder zu dem Schluss gekommen, dass es uns einfach zu teuer ist. Zum Teil sind die Preise bis auf das 10-fache angestiegen. Daher waren wir uns schnell einig, dass wir die Zeit nutzen um ein “leeres” Shanghai zu genießen. Die meisten Chinesen, die in Shanghai leben, kommen nicht von hier und fahren über CNY zu ihren Familien aufs Land. Es soll sehr ruhig in dieser Zeit hier zugehen und gerade Touristen-Hotspots sollen nahezu ausgestorben sein und in Yu Yuan Garden gibt es während der Festzeit einen traditionellen Umzug, der wohl sehr schön sein soll. Nunja klingt doch eigentlich alles garnicht so verkehrt. By the Way – man merkt schon jetzt, dass gestern der Hauptreisetag war und es deutlich leerer hier ist als sonst.

 

Bye Bye French Concession – Hello Seoul

Chris und ich haben jeden Tag ein kleines Ritual, wenn wir aufstehen, lesen wir erst einmal online Zeitung, um zu lesen, was in der Heimat los ist. Und siehe da, die Olympischen Winterspiele haben begonnen und das auch noch direkt bei uns um die Ecke. Wir hatten das schon auf dem Schirm, wussten nur nicht genau, wann sie beginnen. Welch ein glücklicher Zufall, dass sie über CNY stattfinden.

Mit ein paar kleinen Schwierigkeiten, die sich zum Glück übers Telefon beheben ließen, haben wir gestern spontan 5 Tage Seoul gebucht. Am 15.02. geht es erst einmal nach Seoul. Dort werden wir uns erst einmal um Zugtickets nach PyeongChang kümmern, online war dies leider nicht möglich. Scheinbar wurde nur ein Teil der Zugtickets online verkauft. Sobald wir unsere Zugtickets haben, werden wir uns für die Olympischen Winterspiele Tickets kaufen. Ich habe gestern online die Kontingente gecheckt. Es gibt für die Außenveranstaltungen noch massenhaft Karten und kann mir kaum vorstellen, dass diese so schnell verkauft sein werden. Bei Curling, Eiskunstlauf und allen anderen “Indoor”-Veranstaltungen wird es deutlich schwerer an Karten zu kommen. Ich schätze, dass die Koreaner, ähnlich wie die Chinesen Kälte einfach nicht mögen und sich lieber drinnen aufhalten. Unser Glück, denn wir wollen uns Biathlon anschauen und da ist das Kontingent noch hoch.

Mal sehen, ob alles klappt – ich bin da wie immer optimistisch. Viele Dinge lassen sich hier nicht gut planen und perfekt organisieren. In Deutschland wäre ich nervös geworden und extrem unentspannt gewesen. Wenn ich eins hier gelernt habe, dann, dass sich immer eine Lösung findet und sich zu stressen defintiv überflüssig und unnötig ist. Viele Dinge laufen hier anders. Letztendlich sind wir bisher immer zum Ziel gekommen, auch wenn es manchmal umständlich und kompliziert war.

 

 

Auf Temperaturen von -15 bis -10 Grad sind wir leider nicht so gut ausgelegt, deshalb werde ich hier gleich noch ein bisschen Shoppen gehen. Meine gute North Face Jacke befindet sich im Container und unser Containerschiff läuft erst morgen im Hafen ein und wird leider nicht mehr vor CNY abgefertigt. Somit muss ich mir jetzt noch irgendwie eine warme Jacke, unter die ich auch noch einen ordentlichen Zwiebellook bekomme, Handschuhe, einen vernünftigen Schal und eine warme Hose organisieren. Ich hoffe ich finde noch etwas in den Malls, denn CNY ist das Datum, an dem die Wintermode hier verschwindet und der Frühling eingeläutet wird. Drückt mir die Daumen.

 

Bis dahin ihr Lieben

eure Sarah

 

PS: Ich habe es kaum geglaubt, aber es war absolut kein Problem Thermounterwäsche und Shirts für uns zu finden. Sogar eine Jacke habe ich ohne Probleme gefunden. Jetzt fehlen nur noch Handschuhe, ein vernünftiger Schal und ein weiter Oversize-Pulli. Dann sind wir gut gerüstet.

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