Travel Around The World – PyeongChang

Weiter geht es mit dem 2. Teil der olympischen Winterspiele in PyeongChang. Nachdem wir in der Nacht von Samstag auf Sonntag endlich, völlig erschöpft, um 3 Uhr im Bett waren, klingelte unser Wecker 3 Stunden später. Mit riesigen Augenringen und etwas lädiert, ging es um 7 Uhr wieder mit dem KTX Richtung Jinbu-Station. Wie schon am Tag vorher konnten wir nur noch Stehtickets ergattern. Zu Glück gab es pro Abteil bei den Koffergestellen zwei Notsitze, wovon wir einen ergattern konnten. Chris machte es sich auf der Treppe bequem, während ich auf dem Notsitz Platz nahm. Die gut 1 1/2 Stunden Fahrt nutzten wir, um noch ein bisschen Energie zu tanken. Ich habe es doch tatsächlich geschafft auf meinem schnuckeligen Notsitz eine Stunde zu schlafen.

 

Yongpyong Alpine Centre – Giant Slalom

Gegen 8:45 erreichten wir die Jinbu-Station, von welcher wir uns direkt zum Yongpyong Alpine Centre zum Giant Slalom aufmachten. Nachdem wir die Sicherheitskontrolle passiert und einen weiteren Shuttle-Bus genommen hatten, erreichten wir das Apline Centre gegen 9:45, pünktlich zur K-Pop-Einheiz-Performance – dazu später mehr. Pünktlich um 10:15 ging es dann auch schon los. Mit 110 Startern, kann man sich gut vorstellen, dass die erste Runde ordentlich Zeit in Anspruch nimmt. Mit der Sonne im Gesicht bei -11°C und einem spannenden Wettkampf war die Müdigkeit sofort vergessen. Da auch ein Nordkoreaner startete, erlebten wir “Kims Cheerleader” live. Das war mit das Verrückteste, was wir in PyeongChang erlebt haben – eine einzige Propaganda Show auf der Tribüne direkt neben uns. Die Vorklatscherin/Vorsingerin hat ganz klar das Ruder in der Hand, wann und wie die Mädels zu klatschen, singen und performanen zu haben. In jeder Reihe steht links und rechts nordkoreanisches Wachpersonal, dass die Mädels “beschützt”. Natürlich tragen alle schicke und teuer wirkende Sonnenbrillen. Es soll natürlich niemand glauben, dass Nordkorea ein armes Land sein könnte. Gegen 15:30 hatte Marcel Hirscher allen gezeigt, wo der Ski hängt und mit einer grandiosen Leistung olympisches Gold gewonnen.

 

Massenstart der Männer – Biathlon

Bis zum Massenstart der Männer im Biathlon war noch ein bisschen Zeit, weshalb wir gemütlich zur Olympic Plaza fuhren und uns im Food-Court eine ordentliche Portion koreanische Dumplings genehmigten. Ich liebe schon in Shanghai Dim Sum in allen Variationen. Die koreanischen Dumplings müssen sich definitiv nicht verstecken. Gestärkt machten wir uns auf den Weg zum Alpensia Biathlon Centre – im Party-Bus. Ich habe keine Ahnung, woher die Koreaner diese Busse haben. Der absolute Knaller. Party-Beleuchtung im Asia/China-Style plus über all Fernseher. Wer jetzt denkt, dass auf den Fernsehern Olympia übertragen wird, liegt falsch. Die komplette Fahrt lief irgendeine Koreanische Game Show, deren Sinn nicht wirklich ersichtlich war. Seltsame Spiele wie z.B. jemanden eine Schüssel auf den Kopf knallen und dabei die Dezibelzahl messen. Der Sinn dahinter? Ich glaube es gibt keinen.

 

Am Biathlon Centre angekommen, wurden wir freudig von den Mädels begrüßt, mit denen wir uns am Tag vorher schon lange unterhalten hatten. Von allen Dreien bekam ich direkt jeweils ein Heat-Pack in die Hand gedrückt. An sich hieß es immer “One Heat-Pack – for One Person”. Yeah und ich hatte direkt drei. Die Mädels sagten mir direkt, wenn ich noch mehr wollen würde, wäre das kein Problem, ich solle einfach zu ihnen kommen. Frieren mussten wir also nicht. Auch beim Biathlon gab es wieder ein super Rahmenprogramm. Meine K-Pop Freunde vom Giant Slalom wurden direkt weitergereicht und durften auch im Alpensia Biathlon Centre performen. Definitiv eins meiner Highlights, weshalb ich euch ein kleines Video nicht vorenthalten möchte.

 

 

Um 20:15 viel der Startschuss. Meine Güte war das ein spannendes Rennen. Zwischenzeitlich hatte ich einen gefühlten Puls von 180. Gerade am Ende – dass Schempp es doch noch schafft mit dem Franzosen mehr oder weniger gleich zuziehen – WAHNSINN. Eine Silbermediallie für Deutschland live mitzuerleben, war etwas ganz Besonderes.

 

 

Nach der Siegerehrung ging es für uns wieder zur Jinbu-Station. Zwar fuhr unser Zug erst in guten 2h, aber wir wollten versuchen irgendwie früher nach Hause zu kommen. Denn so langsam machte sich unsere kurze Nacht bemerkbar. Ich hatte etwas Bammel, denn Schwarzfahren wollte ich in Korea definitiv nicht, nachdem ich am Tag zuvor mitbekommen hatte, wie eine Amerikanerin dies versucht hatte und man mit der Zugpolizei anrückte. Als der Zug um 22:34 einfuhr, schaffte es Chris geschickt die Zugsicherheitsfrau zu überreden uns mit zunehmen. Da diese ihr Okay gegeben hatte, sagte die Schaffnerin auch nichts mehr. Allerdings mussten wir ein neues Ticket lösen. Da die KTX-Tickets bei 12-13€ pro Person liegen, war dies für uns absolut verkraftbar. Um 0:14 erreichten wir völlig erschöpft Seoul.

 

Fazit

Ich möchte die Tage in PyeongChang nicht missen. Ich habe unvergessliche Momente erlebt. Auch, wenn es alles etwas chaotisch und auch extrem anstrengend war, würde ich es immer wieder machen. So schlecht der Transport nach PyeongChang organisiert war, so gut war er bei den olympischen Spielen organisiert. Vorort kann ich nichts Negatives erzählen. Das Personal war hilfsbereit und auch was die Shuttle-Busse zu den Austragungsorten betrifft, lief alles reibungslos ab. Allerdings muss man auch sagen, der Transport nach PyeongChang hätte definitiv besser funktionieren müssen. Ein weiteres Problem ist, dass die Region PyeongChang gute 40.000 Einwohner hat. Zum Vergleich Siegburg hat ungefähr genauso viele. Dementsprechend gibt es dort auch kaum Hotels und größere Städte. Viele der Mitarbeiter werden in die wenigen Hotels eingemietet. Somit gibt relativ begrenzte Möglichkeiten in PyeongChang unterzukommen. Ich finde, wenn man olympische Spiele ausrichtet, sollte man auch damit rechnen, dass sich Leute die Spiele anschauen und irgendwie Kapazität bzgl. Hotels vor Ort oder in den Zügen schaffen. Die meisten Plätze im KTX waren ebenfalls mit Mitarbeitern belegt. In der Presse wurde oftmals gesagt, dass die Tribünen extrem leer waren. Ich kann nur von unseren 3 Veranstaltungen sprechen. Alle drei vor allem Giant Slalom und Massenstart der Männer waren sehr gut besucht. Beim Massenstart der Frauen war das Stadion ca. 2/3 voll. Ich kann mir allerdings auch sehr gut vorstellen, dass die Veranstaltungen aus 2 Gründen oft nicht soooo gut besucht waren – zum einem natürlich die Transportmöglichkeit nach PyeongChang und zum anderen lagen die Olympischen Spiele über Chinese New Year. Auch in Korea feiert man das Frühlingsfest mit der Familie in der Heimat und hat ebenfalls mehrere Tage frei. Dazu kommt natürlich auch, dass die Tickets für asiatische Verhältnisse relativ teuer waren.

Ich werde die zwei Tage in PyeongChang definitiv nicht vergessen. 2020 stehen die Sommerspiele in Tokio an. Ich hoffe, dass wir die 3 Jahre Shanghai voll machen und nicht vorher nach Deutschland zurückgehen. Sommerspiele in Tokio zu erleben, wäre der absolute Wahnsinn. Die Winterspiele 2022 in Peking werden wir wohl eher nicht mehr hier miterleben. Schade.

 

Bis dahin ihr Lieben

 

eure Sarah

 

 

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