Welcome to China – Dinge, die du nur hier erlebst

 

Hallo ihr Lieben!

Ich melde mich aus der Blogpause zurück. In den letzten Wochen war bei uns Einiges los. Mitte März kam meine Freundin aus Deutschland mich besuchen. Nach dem sie abgereist war, waren wir über das Qingming-Festival in Peking und auf der chinesischen Mauer. Darauf das Wochenende kam direkt der nächste Besuch – meine Familie. Es hat ungaublich gut getan, meine Familie hier zu haben. Hin und wieder gibt es doch einzelne Tage, an denen einem das Heimweh packt. So langsam kehrt bei uns nun auch wieder der Alltag ein. In den nächsten Beiträgen werde ich euch ein bisschen von unserem Peking Trip erzählen. Für heute habe ich mir, aber etwas anderes überlegt.

Mittlerweile leben wir schon 1 Jahr und 4 Monate in Shanghai und haben Einige sehr skurrile Dinge erlebt. In Shanghai klar zu kommen ist manchmal gar nicht so einfach. Man muss schon ein gutes Selbstbewusst sein haben, um hier zu überleben. Viele Dinge sind unglaublich kompliziert, andere sobald man die Logik dahinter verstanden hat, super easy. Die Menschen erscheinen auf den ersten Blick, wenn sie mit einem reden, extrem unfreundlich. Wenn man jedoch chinesisch lernt, versteht man, dass die Sprache komplett anders funktioniert als romanische Sprachen. Und auf einmal sind gar nicht alle so unfreundlich und schreien sich an. Ich möchte euch heute drei kleine Anekdoten erzählen.

 

China – wo eben manchmal alles ein bisschen anders ist

Meine erste Anekdote, die ich euch erzählen möchte, liegt noch gar nicht sooo lange zurück. Wie schon oben geschrieben, besuchte mich Mitte März meine Freundin aus Deutschland. Natürlich war sie extrem aufgeregt – sie ist gerade einmal 22 und vorher nur ein einziges Mal in den Urlaub geflogen. Der Flug nach Shanghai war ihr erster Langstreckenflug. Für ihren 9 tägigen Urlaub hatte sie fast 1 1/2 Jahre gespart. Bevor sie los flog, bekam sie von Christian und mir noch ein paar Bilder geschickt, wie der Flughafen aussieht, wo ich sie abholen werde und einen Treffpunkt (ein Café) falls wir uns nicht finden sollten. WeChat hatte sie sowieso schon auf ihrem Handy. Wie ihr seht, wir waren super organisiert. Es konnte also nichts schief gehen. Christian überließ mir am morgen unseren Fahrer – ich nehme das jetzt einmal vorweg – ZUM GLÜCK. Am Flughafen angekommen, schaute ich auf die Tafel und sah, dass der Flug schon gelandet war. Soweit so gut. Nun dauert die Einreise in Pudong immer ein bisschen und ich machte mir wenig Gedanken. Irgendwann schrieb mir meine Freundin über WeChat, dass sie zwar gelandet seien, aber mittlerweile schon fast 1h auf die Busse warten würden. Aber es würde sicherlich bald weiter gehen. Während ich wartete wurden extrem leise Flugnummern durchgesagt, ihr Flug war auch dabei. Also lief ich noch einmal zu der Anzeigetafel und überprüfte ihren Flug – gelandet. Also doch alles gut. Irgendwann bekam ich von ihr eine Nachricht “Bin durch die Immigration durch”und etwas später “Ich habe meinen Koffer ich komme jetzt raus”. Als sie nach ca. 5 Minuten immer noch nicht auftauchte wurde ich etwas nervös und rief sie über WeChat an. Das war der Moment, wo mir das Herz stehen blieb.

“Hey sag mal wo bist du?”

“Ähm das ist eine gute Frage. Ich sehe dich auch nicht Sarah. Ich glaube wir sind an einem anderen Flughafen gelandet. Kann das sein?”

“Wie bitte?”

“Ja ich glaube ich bin nicht in Pudong. Du hast doch gesagt, dass der Flughafen riesig ist so wie Frankfurt. Der hier ist eher so wie Köln-Bonn”

“Ich rufe dich gleich nochmal an. Ich checke das gerade mal, wo du jetzt bist.”

In diesen Moment war mir einfach nur schlecht. Ich lief noch einmal zur Anzeige und auf einmal stand dort “arrived Hongqiao-Airport”. Ist das wirklich euer Ernst? 5 Minuten vorher stand da einfach nur arrived. Ich erklärte dem Fahrer die Situation und wir machten uns sofort auf nach Hongqiao. Allerdings liegen zwischen den beiden Flughäfen gute 60km und mittlerweile hatten wir auch schon 8:30, womit wir auf jeden Fall im Berufsverkehr landen würden. Ich rief meine Freundin wieder an, erklärte ihr die Situation und machte mich auf den Weg ans andere Ende der Stadt. Ca. 1 1/2h später hatte ich sie dann endlich eingesammelt. Wenn ich diese Geschichte im Bekanntenkreis erzählt habe, meinten viele “Hast du keine Flugtrack-App?” – Ja die habe ich und dort stand der Flug auch noch mehrere Stunden später als gelandet in Pudong drin. Selbst im Flugzeug gab es keine Information für die Passagiere.

Ohne jegliche Information einen Flug umzuleiten? Welcome to China. Dies kann einem wirklich nur mit einer chinesischen Airline in China passieren. Als ich meine Freundin eingesammelt hatte, konnte ich auch über die Situation ordentlich lachen.

 

Schmeckts?

Wie schon so häufig erzählt, gutes Essen ist ein großer und wichtiger Bestandteil der chinesischen Kultur. Du bist, was du isst – das nimmt man hier sehr wörtlich. Wenn wir Besuch haben, gehen wir eigentlich immer durch Laoximen. Dort kann man noch Spuren des echten alten Shanghais finden. Ich schlendere gerne durch die etwas heruntergekommene Siedlung und esse dort mit meinem Besuch eigentlich immer in einer der Garküchen – sehr zur Freude der Einheimischen. Meiner Meinung nach gibt es dort einen Stand, der die besten Baozi von ganz Shanghai macht. Die Einheimischen freuen sich riesig, dass wir Ausländer dort essen und man kommt sehr schnell ins Gespräch. Leider ist mein Chinesisch nicht sooo gut, deshalb verstehe ich meistens nur die Hälfte. Aber eine Frage kommt immer “Haochi ma? – Ni xihuan zhongguo fan ma?  – Ni xihuan baozi ma?” – Schmeckt es/Lecker? – Magst du chinesisches Essen? – Magst du Baozi? – Meine Antwort darauf ist immer dieselbe – Extrem lecker – die Besten (feichang haochi – tai hao le). Darauf werde ich dann jedes Mal extrem angestrahlt. Laoximen ist definitiv eine der nicht glamourösen Ecken. Die Leute, die dort leben, leben sehr einfach ohne jeglichen Luxus und haben zum Teil noch nicht einmal fließendes Wasser. Das Vorurteil, dass wir Westler alle extrem reich sind, hält sich dort sehr stark. Deshalb freut man sich, wenn der “reiche” Westler, die einfache, gute chinesische Küche genießt und sie auch zu schätzen weiß. Auf der einen Seite empfinde ich die Situation  manchmal sehr bedrückend, auf der anderen Seite bin ich dort mit Menschen in Berührung gekommen, die mir unglaublich offen, nett und neugierig begegnet sind. Laoximen ist für mich jedes Mal ein Erlebnis.

 

Wenn zwei sich anbrüllen

In den ersten Tagen fand ich es sehr befremdlich, wie laut Chinesen sein können. Nicht nur einmal habe ich mich gefragt “Reden die oder streiten die beiden sich?”. Durch diese viele “Brüllerei” kamen mir die Menschen sehr unfreundlich vor. Zwar waren sie, wenn sie Lust hatten, sehr hilfsbereit, aber irgendwie war es doch seltsam. Als ich mit meinem chinesisch Unterricht anfing, sprach ich meine Lehrerin darauf an. Nach und nach verstand ich immer mehr, dass Chinesisch einfach anders funktioniert und deshalb so befremdlich ist. Höflichkeitsformen gibt es sehr wenige. Z.B. wenn man bestellt, benutzt man das Wort yao – wollen – Ich will dies und jenes – Also genau das, was uns als Kindern immer beigebracht wird, nicht zu sagen. Dazu kommt, dass es verschiedene Töne gibt. Gerade der 4, der fallende, Ton hört sich so an als würde man sein Gegenüber anschreien. Wenn Chinesen nicht so gut Englisch können, dann sprechen sie es oftmals von den Worten her sehr chinesisch. Z.B. Wenn man bestellt “Ni yao shenme?” wird dann im englischen ganz schnell zu “What do you want?” und wirkt damit viel unfreundlicher als “How can I help you. What do you want to order?”. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und es stört mich nicht mehr. Aber am Anfang war es wirklich extrem befremdlich. Als wir im Januar im letzten Jahr in unsere Wohnung zogen, hörten wir, dank gefühlten Pappwänden, Abends sehr deutlich unsere Nachbarn (also das tun wir jetzt auch immer noch).  Wir haben uns oft gefragt, ob die sich streiten und ob dort gleich Mord und Totschlag stattfindet. Nach ein paar Wochen waren wir uns einig, dass sie sich wohl nur unterhalten. Wahrscheinlich über Essen oder so. Seltsam war es trotzdem. Mittlerweile nehmen wir das abendlichen “Gespräche” gar nicht mehr so wirklich wahr. Generell habe ich nach über einem Jahr überhaupt nicht mehr das Gefühl, dass die Menschen hier so unfreundlich sind und sich nur anbrüllen. Es ist wirklich merkwürdig, wie schnell man sich an eine Kultur anpasst und viele Dinge als normal empfindet.

 

Ich könnte euch noch einige weitere Geschichten dieser Art erzählen. Gerade wenn es darum geht ein bisschen Chaos zu verbreiten und den armen, hilflosen Westler so richtig zu verwirren, sind die Chinesen Meister. Druckerpapier in Shanghai kaufen? Definitiv auch ein Highlight. Vielleicht mache ich einfach noch einen Post mit weiteren Anekdoten. Für heute solls dies erst einmal gewesen sein.

 

Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag

 

bis dahin

eure Sarah

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